Karlsruher Orte der Nachhaltigkeit: Der Weltladen

Nach unserer Einführung in unser Verständnis des Themas Nachhaltigkeit, geht es im zweiten Teil unserer Serie über Karlsruher Orte der Nachhaltigkeit um “viel mehr als faire Schokolade“ im Weltladen Karlsruhe.

Der Weltladen in der Kronenstraße 21 hat uns bei unserem Rundgang, der reichlich vorhandenen nachhaltigen Orten in Karlsruhe, sowohl grübelnd gestimmt als auch fasziniert. Der Verein APDW (Aktion Partnerschaft dritte Welt) betreibt den Weltladen seit 1973, und ist auch aktiv in der entwicklungspolitischen Bildungs-und Öffentlichkeitsarbeit ist. Im ausgewählten, bunten Sortiment befinden sich Kaffee, Honig und Reis über kunstvoll angefertigten Handwerksprodukten, bis hin zu Textilien, Bücher, Spielzeuge und viele andere interessante Utensilien, die bereits durch einen Blick ins Schaufenster ausfindig gemacht werden können. In erster Linie steht der Weltladen für die faire Produktion von Produkten, die zum Teil auch in Bio-Qualität produziert sind.


Wir alle haben eine vage Vorstellung, woher vor allem Erzeugnisse wie Kaffee und Reis kommen, jedoch ist uns nicht wirklich bewusst, unter welchen schweren Bedingungen gerade die Kleinbauern diese Lebensmittel produzieren. Der Weltladen versucht durch den Verkauf und die Präsentation der Produkte, durch entsprechende Verpackung mit spezifischen Labels, aber auch durch das unmittelbare Gespräch zwischen den Kunden und Mitarbeitern , über den Fairen Handel in Afrika, Asien und Lateinamerika zu sensibilisieren und aufzuklären.

Im Weltladen erfährt der Besucher auch, dass durch fair gehandelte Produkte Arbeitsplätze, wie in Afrika gesichert werden können, was dazu führt, dass es Menschen ermöglicht wird unter fairen Arbeitsbedingungen ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Kurzum: ein besserer Lohn für die Kleinbauern. Der faire Handel ist darüber hinaus auch wirksam gegen die Armut, den Welthunger, die weltweite Ungerechtigkeit sowie die fortschreitende Zerstörung der Umwelt.

Für all jene, denen das noch zu wenig ist, können sich auch in spannende Lektüre vertiefen rund um Themen der Nachhaltigkeit, wofür das durchstöbern des Bücherregal im Weltladen ideal geeignet ist. Eine kleine spezielle Sache im Weltladen sind die zusammengestellten Lerntaschen, die zum Ausleihen immer wieder gern von Schulen ausgeliehen werden. Sei es als Bildungseinheit zum Thema Kakao, zu der noch existierenden Kinderarbeit oder zu andere hochbrisanten und zum nachdenkenden anregende Themen, bieten die Lerntaschen einiges an Informationen.

Neben Infoveranstaltungen zu nachhaltigen Handeln, die der Welthandel veranstaltet und Infobroschüren, die immer ausgelegt sind, organisiert der Weltladen auch noch die faire Woche in Karlsruhe. Die vertretende Altersklasse, die sich im Weltladen zeigt, ist nicht eindeutig auszumachen. Aufgrund des verspielten Sortiments verirren sich auch sehr junge Kunden hier her. Deswegen gibt es hier für alle etwas zu finden, zu erfahren und zu entdecken. Letztendlich stellt sich jedoch die Frage, ob es denn so einfach ist: Ich kaufe mir quasi mein Gewissen rein, in dem ich mir einfach eine Faire Trade Schokolade gönne? Nein, es geht den ausschließlich ehrenamtlichen Helfern, von denen viele persönliche Erfahrungen in der Entwicklungsarbeit haben, hier ums Prinzip. Daher informieren sie die Kunden auch gerne über die Zusammenhänge von Armut und Konsum und den damit gerechtfertigten Preis.

Schließlich führt das aber auch dazu, dann doch noch einmal kurz inne zu halten und zu reflektieren, was eigentlich notwendige Bedürfnisse bei meiner Lebensmittelabdeckung sind. Vor allem mit dem Hintergrund, welche Tragweite eigentlich das Produzieren und anschließende Konsumieren von Lebensmittel hat. Es ist nicht zu verschleiern, dass es sich beim Weltladen, eben um ein Verkaufshäuschen handelt, das wie jedes andere auch Umsatz machen möchte. Im Gegensatz zu anderen Läden ist es aber ein Ort des kritischen Konsumierens, ein Ort des Aufrüttelns und ein Ort, der Themen anspricht, die sehr bewegend und emotional von kompetenten Mitarbeiter zu Tage gebracht werden. Vielen von uns fehlt heute wohl das Geld und die Zeit und vielleicht auch den Mut, sich mit den so scheinenden „unbequemen“, jedoch real existierenden Problemen des Lebens auseinanderzusetzen. Dieser Ort beinhaltet aber auch eine soziale Komponente, denn du kommst mit gleichgesinnten beziehungsweise mit den Mitarbeiter, die vor Gerechtigkeitssinn nur so trotzen, ins Gespräch und tauscht dich aus.

Wen das skurrile, staturähnliche und nicht zu übersehene Gebilde direkt beim Reingehen, fraglich stimmt, weil es ja auch doppelt so groß wie die Eingangstür ist, sollte auf alle Fälle mal hier im Weltladen Karlsruhe vorbeischauen.

Bildquelle: Weltladen

 

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